Doppelte Haushaltsführung - Wohnung am Beschäftigungsort

Einkommensteuer

Voraussetzung für das Vorliegen einer Doppelten Haushaltsführung ist, dass der Arbeitnehmer außerhalb des Ortes, an dem er einen eigenen Hausstand unterhält, beschäftigt ist und am Beschäftigungsort wohnt. Das FG Baden-Württemberg hatte zu klären, wann eine Wohnung am Beschäftigungsort vorliegt.

Eine doppelte Haushaltsführung liegt vor, wenn ein Arbeitnehmer außerhalb des Ortes, an dem er einen eigenen Hausstand unterhält, beschäftigt ist und am Beschäftigungsort wohnt. Eine Wohnung am Beschäftigungsort liegt vor, wenn die Arbeitsstätte in zumutbarer Weise täglich aufgesucht werden kann.

Als Beschäftigungsort gilt nicht die jeweilige politische Gemeinde, sondern der Bereich, der noch als Einzugsgebiet zur konkreten Adresse der Arbeitsstätte anzusehen ist. Kann ein Arbeitnehmer seine Arbeitsstätte/1. Tätigkeitsstätte täglich in zumutbarer Weise von seiner Wohnung aus aufsuchen, wohnt er am Beschäftigungsort, ungeachtet von Gemeinde- und Landesgrenzen. In diesem Fall ist der Arbeitnehmer dann nicht "außerhalb des Ortes", in dem er einen eigenen Hausstand unterhält, beschäftigt, sondern er ist am Ort des eigenen Hausstandes beschäftigt. Bei der Beurteilung ist nicht nur die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte/1. Tätigkeitsstätte ausschlaggebend. Neben der Entfernung ist auch auf die Verkehrsanbindung mit privaten und öffentlichen Verkehrsmitteln sowie die Erreichbarkeit der Verkehrsmittel bei Arbeitsbeginn und -ende abzustellen. In einer Großstadt kann dem Arbeitnehmer eine Fahrzeit von etwa einer Stunde für die einfache Strecke zugemutet werden. Das gilt insbesondere dann, wenn ein gut ausgebautes Straßennetz oder auch gut erreichbare öffentliche Nahverkehrsverbindungen vorhanden sind.

Ob durch die Zweitwohnung eine tägliche Fahrzeitverkürzung von mindestens einer Stunde eintritt, ist unerheblich. Diese Voraussetzung muss für die steuerliche Berücksichtigung von Umzugskosten erfüllt sein.

Das Finanzgericht hat die Revision zugelassen. Zu der Frage, inwieweit Wohnungen als noch zum Beschäftigungsort gehörend zählen, ist bereits ein Revisionsverfahren beim BFH unter dem Az VI R 2/16 anhängig.    

Fundstelle
FG Baden-Württemberg Urteil vom 16.06.2016 1 K 3229/14, Revision zugelassen

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