Doppelte Haushaltsführung bei beiderseits berufstätigen Eheleuten

Einkommensteuer

Der Haupthausstand beiderseits berufstätiger Eheleute befindet sich nicht automatisch dort, wo sich beide gemeinsam überwiegend aufhalten. Der BFH hatte hier die Frage zu klären, ob Ehegatten nur einen gemeinsamen Ehegattenhausstand bzw. Lebensmittelpunkt haben können.

Die Ehefrau war drei Jahre im Ausland nicht selbstständig tätig. Dort bewohnte sie am Beschäftigungsort eine 110 qm große Wohnung. Der Ehemann machte im Rahmen seiner Geschäftsführertätigkeit im Inland Aufwendungen für eine doppelte Haushaltsführung i.H.v. rd. 12.500 EUR als Werbungskosten geltend. Er gab an, seinen Lebensmittelpunkt ins Ausland, in die Wohnung seiner Ehefrau, verlegt zu haben. Seine bisherige Wohnung in Deutschland nutzt er als Zweitwohnung am Beschäftigungsort. Das Finanzamt erkannte die geltend gemachten Aufwendungen nicht an, die hiergegen gerichtete Klage hatte keinen Erfolg.

Das Finanzgericht kam im Streitfall zu dem Ergebnis, dass der Mittelpunkt der Lebensinteressen des Ehemannes in Deutschland liegt. Diese Auffassung begründet das FG damit, dass sich der Kläger nur 18 Tage im Ausland aufgehalten und sich nicht von seinem sozialen Umfeld in Deutschland gelöst hatte. Die Aufenthalte des Ehemannes im Ausland wurden somit als Besuchsreisen (umgekehrte Familienheimfahrten) an den Beschäftigungsort seiner Frau bewertet. Die Reisen der Ehefrau hingegen galten als Fahrten an den gemeinsamen Wohnsitz (Lebensmittelpunkt) am Beschäftigungsort des Ehemannes.

Hierzu führte der BFH aus, dass eine Beurteilung des Haupthausstandes anhand der Gesamtwürdigung aller Umstände des Einzelfalls vorzunehmen ist. Dabei ist zu berücksichtigen, wie oft und wie lange sich der Arbeitnehmer in der einen und der anderen Wohnung aufhält, wie beide Wohnungen ausgestattet und wie groß sie sind. Des Weiteren sind die Dauer des Aufenthaltes am Beschäftigungsort, die Entfernung beider Wohnungen und die Anzahl der Heimfahrten zu beachten.

Festzustellen ist weiterhin, zu welchem Wohnort die engeren persönlichen Beziehungen bestehen. Dies gilt insbesondere auch bei beiderseits berufstätigen (kinderlosen) Eheleuten, die - wie im Streitfall - jeweils am Beschäftigungsort aus beruflichen Gründen eine familiengerechte Wohnung unterhalten.

Fundstelle
BFH-Urteil vom 07.05.2015 VI R 71/14, veröffentlicht am 29.07.2015

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