Die Regeln zu gemeinschaftlichen Tätigkeiten werden neu gefasst

Handelsrecht

Bereits im September 2007 hat der IASB den Exposure Draft (ED) 9 veröffentlicht. Nach dem Fahrplan des IASB sollte im dritten Quartal 2010 eine Verabschiedung erfolgen.

Bereits im September 2007 hat der IASB den Exposure Draft (ED) 9 veröffentlicht. Nach dem Fahrplan des IASB sollte im dritten Quartal 2010 eine Verabschiedung erfolgen. Damit ist allerdings nicht mehr zu rechnen, so dass sich die Verabschiedung wohl in das vierte Quartal 2010 verlagern wird.  ED 9 wird IAS 31 und SIC 13 ersetzen.

ED 9 behandelt die Bilanzierung folgende Arten gemeinschaftlicher Aktivitäten:

1.       Gemeinsame Tätigkeiten (Joint Operations ED 9.8-.10)
Hierbei werden von mindestens zwei Parteien eigene Vermögenswerte bereitgestellt  und jede Partei nutzt die eigenen Vermögenswerte, um die gemeinschaftlich vereinbarten Ziele zu erreichen. Dabei sind  laufende Aufwendungen, aus dem Betrieb resultierende Verpflichtungen und Finanzierungsverbindlichkeiten separierbar.

Beispiel: Die Unternehmen A und B bilden eine Arbeitsgemeinschaft  AG. Diese bewirbt sich um die Auftragsvergabe zum Bau eines Autobahnteilstücks. Die AG wird gemeinschaftlich von beiden Parteien geführt und beschäftigt kein eigenes Personal. Nach Auftragserteilung errichtet A drei für das Autobahnteilstück benötigte Brücken. B führt alle anderen Arbeiten aus.

A und B bilanzieren die in der AG zum Bau des Autobahnteilstücks verwendeten Ressourcen vollständig, da diese weiterhin uneingeschränkt direkt kontrolliert werden (ED 9.21). Die aus der Tätigkeit von AG resultierenden Erlöse und Verbindlichkeiten werden anteilig in die Bücher genommen. Die rechtlichen Anteile an der AG werden mittels der equity-Methode in die Konzernabschlüsse einbezogen. Der jeweilige equity-Buchwert dürfte nahe Null liegen, da die AG keine eigenen Aktivitäten aufweist und nur zu Bieterzwecken geformt wurde.

Die Bilanzierungsregeln weichen grundsätzlich nicht von denjenigen des noch gültigen IAS 31 ab.

2.       Vermögenswerte unter gemeinschaftlicher Führung (joint assets)
Typischerweise befinden sich Joint Assets im Gemeinschaftseigentum der Beteiligten. Gemäß ED 9.11-.13 liegt ein Joint Asset vor, wenn

  • jeder Partei ein vereinbarter Teil der wirtschaftlichen Leistung des Vermögenswertes zusteht
  • die verursachten Kosten werden gemeinschaftlich getragen
  • die Finanzierung und der Betrieb obliegt den jeweiligen Parteien
  • die Parteien können entweder separat oder gesamthänderisch verpflichtet werden, Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit dem Betrieb des des Joint Ventures zu begleichen 

Die beteiligten Parteien beziehen Joint Assets anteilig gemäß der jeweiligen Eigentumsverhältnisse in ihre Abschlüsse ein. Erträge, Aufwendungen und Verbindlichkeiten, die auf die Nutzung des gemeinschaftlich geführten Vermögenswerts zurückzuführen sind, werden gemäß ED 9.22 anteilig berücksichtigt.

Die in ED 9 formulierten Regelungen zur Bilanzierung von Vermögenswerten unter gemeinschaftlicher Führung stimmen im Wesentlichen mit den aktuell gültigen Vorschriften gemäß IAS 31.21 überein.    

Beispiel: Fünf Parteien erwerben gemeinschaftlich einen Passagierjet. Jede der Parteien bringt 20 % der Anschaffungskosten auf. Über die Disposition des Jets und Wartung entscheiden alle 5 Parteien gemeinschaftlich. Jede Partei kann sich nach Zustimmung der anderen Vier von ihrem Anteil trennen oder diesen verleasen.

Der Jet wird gemäß ED 9.22 als Joint Asset behandelt. Die Rechte an dem Jet werden von jeder Partei quotal in Höhe des jeweiligen Anteils (20 %) bilanziert.       

3.       Gemeinschaftlich geführte Unternehmen (Joint Ventures)
Ein Unternehmen erfüllt die Definition eines Joint Venture, sofern

  • eine gemeinschaftliche Führung durch zwei oder mehrere beteiligte Parteien installiert ist
  • keiner der Gemeinschaftsunternehmer exklusive Rechte an individuellen Vermögenswerten des Joint Venture inne hat

Änderung zu IAS 31.3: Zukünftig wird eine einstimmige Entscheidung bezüglich der strategischen Finanz- und Geschäftspolitik nicht mehr gefordert. Ausreichend ist eine Vereinbarung über die Teilung der Einflussnahme aller Parteien auf das Joint Venture.

Gemäß ED 9.23-.27 hat die Konsolidierung eines Joint Venture mittels der equity-Methode analog IAS 28 Investments in Associates zu erfolgen. Ausgenommen sind Joint Venture, die zur Veräußerung gehalten werden.

Darüber hinaus besteht in Analogie zu den Voraussetzungen gemäß IAS 27.10 für ein Mutterunternehmen, das seinerseits Tochterunternehmen ist und an einem Joint Venture beteiligt ist, ebenfalls keine Pflicht zur Aufstellung eines Konzernabschlusses und demzufolge keine Pflicht zur Anwendung der equity-Methode.

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