Der Brexit und seine Folgen für Erbschaft- und Schenkungsteuer

Bewertungsgesetz und Erbschaftsteuer

Der anstehende EU-Austritt Großbritanniens wird eine Vielzahl steuerlicher Nachteile im Bereich der Erbschaft- und Schenkungsteuer mit sich bringen. Steuerbefreiungen zu Familienwohnheim, Kulturgütern und Wohnimmobilien sowie zum Betriebsvermögen, etc. könnten nicht mehr in Anspruch genommen werden.

Die Steuerbefreiung nach § 13c ErbStG für zu Wohnzwecken vermietete Grundstücke i.H.v. 10 % ihres Werts wird entfallen, da sich das Grundstück innerhalb der EU befinden muss. Diese Voraussetzung ist mit dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union nicht mehr erfüllt. Das gleiche gilt für die Steuerbefreiungen von Familienwohnheim sowie Kunstgegenständen. Auch ein rückwirkender Wegfall der Steuerbefreiung ist denkbar.

Eine drastische Senkung des Freibetrags nach § 16 ErbStG ist bei Erbschaften oder Schenkungen einer in Großbritannien lebenden Person an ihren Ehegatten zu erwarten. Grund ist, dass die Option auf unbeschränkte Steuerpflicht nach § 2 Abs. 3 ErbStG nicht mehr ausgeübt werden kann. Für die Option ist als Wohnsitz des Steuerpflichtigen ein Ort innerhalb der EU erforderlich. Immobilien in derartigen Fällen sollten vor dem Austritt übertragen werden.

Aber auch begünstigte Betriebsvermögensübertragungen sind gefährdet. Die Begünstigungen nach §§ 13a, 13b ErbStG sind nur auf Betriebsvermögen innerhalb der EU, bzw. des EWR anzuwenden.

Im Bereich der Lohnsummenregelung kann die zukünftige Berücksichtigung der Lohnsummen aus Großbritannien entfallen. Dies ist insbesondere dann mit Nachteilen verbunden, sofern englische Lohnsummen in der Ausgangslohnsumme enthalten sind.

Entsprechende Gestaltungen für eine Übertragung sind zukünftig erforderlich, sofern Anteile an englischen Gesellschaften nicht bis zum Brexit erfolgt sind. 

Fundstelle
Haufe - Serie: Der Brexit im deutschen Steuerrecht

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