Das Gehirn rostet nicht

Haas - Über den Tellerrand

Die Menschen in unserem Kulturkreis erreichen (warum auch immer) ein höheres Alter als früher. Vielen wird dabei Angst und Bange, dass ihr "Gehirn einrostet".

Hirnforscher haben in den letzten Jahren die Erkenntnis zu Tage gefördert, dass sich unser Gehirn (auch im hohen Alter) immer wieder neu anpasst. Immer, wenn wir etwas wahrnehmen, erleben, denken oder tun, was uns erfreut oder beglückt, kommt es zu einer Aktivierung der emotionalen Zentren in den tieferen Bereichen des Gehirns.

Mit anderen Worten: Immer wenn wir uns für etwas begeistern, wird im Gehirn mit einer Gießkanne eine Art Dünger freigesetzt, der unser Gehirn zum Wachsen bringt.

Damit diese Gießkanne ein Leben lang funktioniert, müssen wir rechtzeitig den Schalter umlegen und auf folgendes achten:

  • weniger essen und sich sorgfältig überlegen, was man isst,
  • sich mehr bewegen,
  • sich an der Vielfalt und Schönheit der Welt begeistern,
  • sich die Freude am eigenen Nachdenken, am eigenen Entdecken und Gestalten, am Lernen und an der eigenen Weiterentwicklung nicht durch andere verderben lassen,
  • sich nicht an dem orientieren, was andere für wichtig halten, sondern das tun, was man selbst für wichtig erachtet,
  • sich nicht davon abbringen lassen, nach dem Sinn seines Lebens suchen und ein Leben führen, dass dieser Sinngebung entspricht,
  • die Beziehungen zu anderen Menschen so gestalten, dass man mit diesen anderen gemeinsam über sich hinauswachsen kann.

Behalten wir unsere kindliche Neugierde, entdecken und gestalten wir unser Leben selbst und werden nicht vom Rost befallen.

Fundstelle
Gerald Hüther, "Mit Freude lernen ein Leben lang"
(Vandenhoeck & Ruprecht Verlag)

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