Bilanzierung von Ablösezahlungen im Profi-Fußball

Bilanzsteuerrecht

Mit Urteil vom 14.12.2011 hat der BFH seine Rechtsprechung bestätigt, dass Ablösezahlungen an andere Vereine für den Wechsel von Spieler nicht sofort aufwandswirksam berücksichtigt werden können.

Mit Urteil vom 14.12.2011 hat der BFH seine Rechtsprechung bestätigt, dass Ablösezahlungen an andere Vereine für den Wechsel von Spieler nicht sofort aufwandswirksam berücksichtigt werden können, sondern es sich vielmehr um aktivierungspflichtige Vermögensgegenstände bzw. Wirtschaftsgüter handelt.

Der für das Vorliegen eines Vermögensgegenstandes und Wirtschaftsgutes erforderliche wirtschaftliche Vorteil liegt in der „exklusiven Nutzungsmöglichkeit an dem jeweiligen Spieler“ (konzessionsähnliches Recht, § 266 Abs. 2 Buchstabe a I 1 HGB). Dieser sei zudem selbständig verkehrsfähig als auch einzeln bewertbar. Des Weiteren sind abgrenzbare Aufwendungen für die in der Regel mehrjährige „Nutzungsmöglichkeit“ angefallen.

Durch die Zahlung der Ablösesumme ist der/das immaterielle Vermögensgegenstand/Wirtschaftsgut des Anlagevermögens entgeltlich erworben, was zu einer Aktivierungspflicht in Handels- und Steuerbilanz führt, § 246 Abs. 1 Satz 1 HGB, § 5 Abs. 1 Satz 1 Halbsatz 1 und § 5 Abs. 2 EStG.

Die Aktivierung erfolgt mit den Anschaffungskosten gem. § 255 Abs. 1 HGB,
H 6.2 (Anschaffungskosten) EStH. Die Ablösesumme als auch weitere, dem Anschaffungsvorgang zuzurechnende Aufwendungen stellen Anschaffungs(neben)kosten dar. Die an Spielervermittler gezahlten Provisionen sind dabei dem Anschaffungsvorgang zuzurechnende Anschaffungsnebenkosten. (Werden Provisionen an Spielervermittler im Zusammenhang mit ablösefreien Verpflichtungen eines Spielers gezahlt, erfolgt keine Aktivierung als Anschaffungsnebenkosten.)

Die aktivierungspflichtigen Anschaffungskosten sind in der Folgebewertung planmäßig auf die Vertragslaufzeit des Spielers abzuschreiben.

Im genannten Urteil hatte der BFH zudem zu beurteilen, ob durch die Bilanzierung ein Verstoß gegen die durch Art. 1 des Grundgesetzes geschützte Menschenwürde vorläge. Sofern die Praxis des „Spielerhandels“ im Profisport selbst jedoch nicht als rechts- oder sittenwidrig angesehen wird, könne laut BFH auch eine an diese Praxis als Faktum anknüpfende Bilanzierung nicht dem Rechts- oder Sittenwidrigkeitsverdikt unterliegen.

Fundstelle: BFH-Urteil vom 14.12.2011 I R 108/10 - veröffentlicht am 01.02.2012, BStBl 2012 II S. 238

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