BFH: Werbungskosten bei beruflich veranlassten Krankheitskosten

Einkommensteuer

Krankheitskosten - die im Zusammenhang mit einer typischen Berufskrankheit stehen - können Werbungskosten sein.

Krankheitskosten - die im Zusammenhang mit einer typischen Berufskrankheit stehen - können Werbungskosten sein.

Krankheitskosten sind in der Regel Kosten der privaten Lebensführung und können nicht als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abgezogen werden. Eine steuerliche Berücksichtigung der Kosten ist in begrenztem Umfang lediglich bei den außergewöhnlichen Belastungen möglich.

Anders im Fall einer Berufsgeigerin - wie der BFH jetzt entschieden hat. Die  Steuerpflichtige machte Aufwendungen für eine Bewegungsschulung - Dispokinese - als Werbungskosten geltend. Wegen Einschränkungen in der Schulter hatte sie ihre Erwerbstätigkeit nicht mehr ausüben können. Bei der Dispokinese handelt es sich um eine speziell für Musiker entwickelte Schulungs- und Therapieform, die in der Pädagogik und Prävention angewendet wird - und  sich auf Haltung, Atmung und Bewegung bezieht.

Nach Auffassung des BFH kommt für die Dispokinese-Aufwendungen der Werbungskostenabzug sowohl unter dem Gesichtspunkt von Fortbildungskosten als auch im Hinblick auf das Vorliegen einer Berufskrankheit in Betracht.

Das FG wird nun klären müssen, ob es sich um eine in einem konkreten, objektiven Veranlassungszusammenhang mit der Berufstätigkeit stehende Fortbildungsmaßnahme handelt. Unabhängig vom Vorliegen einer Fortbildung kann es sich auch um die Verminderung oder Behebung gesundheitlicher Störungen handeln, die typischerweise mit der Berufstätigkeit verbunden sind. Auch dann können Werbungskosten vorliegen.

Die Erfolgschancen der Geigerin dürften nicht schlecht stehen, da in einem vergleichbaren Fall bereits das Sächsische FG (Urteil vom 26.10.2010 – 5 K 435/06) entschieden hat, dass die Kosten einer Geigerin für therapeutische Gymnastikübungen als Werbungskosten abzugsfähig sind.

Praktikerhinweis:
Einen Katalog typischer Berufskrankheiten findet man in der Berufskrankheiten-Verordnung (BKV). Zwingende Voraussetzung für die Berücksichtigung von Krankheitskosten bei den Erwerbskosten ist eine Listung in der BKV allerdings nicht. Der Zusammenhang zwischen Erkrankung und Beruf muss dann allerdings vom Mandanten eindeutig nachgewiesen werden.

Fundstelle:
BFH vom 11.07.2013 – VI R 37/12
DStR 2013 S. 6 Nr. 36

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