Bewertung von Anteilen an Kapitalgesellschaften für ertragsteuerliche Zwecke

Bewertungsgesetz und Erbschaftsteuer

Die OFD Frankfurt am Main hat in einer Verfügung vom 15.10.2014 mitgeteilt, dass die durch das Erbschaftsteuerreformgesetz grundlegend neu geregelte Unternehmensbewertung für Zwecke der Erbschaft- und Schenkungsteuer uneingeschränkt auch für ertragsteuerliche Zwecke gilt.

Grundsätzlich erfolgt eine Übertragung von Anteilen an Kapitalgesellschaften entgeltlich. Bei Veräußerungen unter nahen Angehörigen ist nachzuweisen, dass der vereinbarte Kaufpreis dem tatsächlichen Unternehmenswert entspricht.

Das früher angewandte Stuttgarter Verfahren ermittelt unzutreffende, da zu geringe Werte und scheidet damit aus. An dessen Stelle tritt das vereinfachte Ertragswertverfahren.

Das vereinfachte Ertragswertverfahren ist das nach §§ 199 ff. des Bewertungsgesetzes für steuerliche Zwecke vorgesehene Verfahren zur Bewertung von Einzelunternehmen, Personengesellschaften, nicht notierten Anteilen von Kapitalgesellschaften und Betriebsvermögen der freien Berufe.

Es basiert auf einer Kapitalisierung (§ 203 BewG) des Jahresertrags sowie der (gesonderten) Berücksichtigung des nicht betriebsnotwendigen Vermögens und weiteren Vermögens. Wertuntergrenze ist dabei stets der sogenannte Substanzwert, welcher aus der Summe der gemeinen Werte der einzelnen Wirtschaftsgüter abzüglich der Schulden berechnet wird.

Der voraussichtlich zukünftig nachhaltig zu erzielende Jahresertrag wird aus den in der Vergangenheit tatsächlich erzielten Jahreserträgen abgeleitet, ohne dass zukünftige Planbilanzen erstellt werden. Regelmäßig ist dabei von den Ergebnissen der letzten 3 abgelaufenen Wirtschaftsjahre (ggf. des laufenden Jahres und der letzten beiden abgelaufenen Jahren) auszugehen. Ausgangswert ist der Gewinn im Sinne des Einkommensteuergesetzes, welcher durch Hinzu- und Abrechnungen (§ 202 BewG) bereinigt wird. Im Gegensatz zum bisherigen Stuttgarter Verfahren erfolgt keine unterschiedliche Gewichtung der einzelnen Jahre.

Da das vereinfachte Ertragswertverfahren ausschließlich auf Vergangenheitswerten beruht und künftige Umsatz- und Gewinneinbrüche nicht berücksichtigt, kann es zu offensichtlich unzutreffenden Ergebnissen führen. Hier ist der Steuerpflichtige in der Beweislast.

Hinweis
Der gemeine Wert kann ebenfalls durch die Ableitung von Verkäufen ermittelt werden. Ferner ist im Falle einer unzutreffenden Bewertung durch das vereinfachte Ertragswertverfahren eine Bewertung nach den Regelungen des IDW S1 (einem vom Institut der Wirtschaftsprüfer entwickelten Standard) denkbar, welche sich ausschließlich an den für die Zukunft erwarteten Jahresergebnissen (basierend auf Planzahlen) orientiert. 

Fundstelle
OFD Frankfurt am Main, Verfügung vom 15.10.2014 S 2244 A - 40 - St 215

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