Bewertung des geldwerten Vorteils aus dem Erwerb von Aktien

Haas - Steuernachrichten

Die Bewertung des geldwerten Vorteils aus dem Erwerb von Aktien erfolgt mit dem gemeinen Wert. Dieser ist bei nicht börsennotierten Aktien vorrangig aus Verkäufen abzuleiten, die in zeitlicher Nähe zum Bewertungsstichtag getätigt wurden. Abgestellt werden kann auch auf börsennotierte gattungsgleiche Aktien.

Zu den Einnahmen aus nichtselbstständiger Arbeit nach § 19 EStG gehört auch der Vorteil aus der verbilligten Überlassung von Aktien, wenn der Vorteil dem Arbeitnehmer "für" seine Arbeitsleistung gewährt wird. Im Streitfall war der Aktienerwerb auf der Grundlage des Management-Beteiligungsprogramms durch das Dienstverhältnis veranlasst. Dies ist unstreitig und demnach liegen aus der verbilligten Überlassung der Aktien grundsätzlich Arbeitslohn  vor.

Im Streitfall geht es um die Bewertung des geldwerten Vorteils.

Der BFH musste die Frage beantworten, ob bei der Bewertung nicht börsennotierter Aktien trotz im amtlichen Handel festgesetzter Börsenkurse für gattungsgleiche Aktien der Börsenkurs bei der Ableitung des gemeinen Werts nach § 11 Abs. 2 BewG mit der Begründung außer Betracht bleiben, das Handelsvolumen an der Börse sei zu gering gewesen?

Diese Frage hat der BFH verneint. Für die Ableitung des gemeinen Werts nicht notierter Anteile genügt nach der Rechtsprechung des BFH auch der Verkauf eines einzigen Anteils, wenn der Gegenstand dieses Verkaufs nicht nur ein Zwergenanteil ist, dessen Verkaufspreis für den gemeinen Wert der übrigen Anteile nur einen begrenzten Aussagewert hat.

Es ist für den typischen Markt des Wertpapierhandels charakteristisch, dass der "Marktpreis" der Aktien großenteils aufgrund sehr geringer Umsätze zustande kommt. Es können deshalb keine ungewöhnlichen Umstände angenommen werden, nur weil der Nennwert der umgesetzten Papiere nur einen geringen Bruchteil des Grundkapitals der Gesellschaft ausmacht.

Es gilt also Folgendes:

Der gem. § 11 Abs. 2 BewG zu ermittelnde gemeine Wert nicht börsennotierter Aktien ist vorrangig aus der Wertbestätigung am Markt abzuleiten, also von dem Preis, der bei einer Veräußerung im gewöhnlichen Geschäftsverkehr tatsächlich erzielt wurde.

Bei nicht börsennotierten Aktien kann der gemeine Wert grundsätzlich vom Wert der börsennotierten gattungsgleichen Aktien abgeleitet werden.

Die grundsätzlich auf den Zeitpunkt des Lohnzuflusses stichtagsbezogen vorzunehmende Bewertung von Sachlohn gebietet es, den gemeinen Wert nicht börsennotierter Aktien aus Verkäufen abzuleiten, die am Bewertungsstichtag getätigt wurden.

Sind am Bewertungsstichtag keine Verkäufe feststellbar, ist der gemeine Wert aus solchen Verkäufen abzuleiten, die in zeitlicher Nähe zum Bewertungsstichtag getätigt wurden.

Eine Bewertung mit dem durchschnittlichen Preis der Aktienverkäufe, die weniger als ein Jahr zurückliegen, kommt nicht in Betracht.

Praxishinweis
Der Urteilssachverhalt war noch nach dem inzwischen aufgehobenen § 19a EStG zu beurteilen. Ab VZ 2009 haben Arbeitnehmer die Möglichkeit einer erweiterten Förderung der Vermögensbeteiligung durch § 3 Nr. 39 EStG. Da auch nach dieser Vorschrift als Wert der Vermögensbeteiligung des gemeine Wert anzusetzen ist (§ 3 Nr. 39 Satz 4 EStG), sollten die Grundsätze des BFH-Urteils im Streitfall auch auf die neue Rechtslage Anwendung finden. 

Fundstelle
BFH-Urteil vom 01.09.2016 VI R 16/15 

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