Beteiligungsverlust als Werbungskosten des Arbeitsnehmers

Einkommensteuer

Kosten, die ein Arbeitnehmer im Hinblick auf die Übernahme eines Vorstandspostens, sowie im Hinblick auf eine Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft aufwendet, können als vergeblich vorweggenommene Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit berücksichtigt werden. Entscheidend ist, dass der Steuerpflichtige vordergründig die Absicht hatte, aufgrund dieser Beteiligung, Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit zu erzielen.

Im vorliegenden Fall zahlte der Kläger, ein angestellter Jurist, der A-GmbH einen Betrag von 75.000 EUR für eine 10 %-Beteiligung an einer noch zu gründenden Aktiengesellschaft (AG). Des Weiteren sollte er bei der AG eine Vorstandsposition und eine jährliche Bruttovergütung von 90.000 EUR erhalten. Die GmbH nutzte jedoch den Betrag von 75.000 EUR abredewidrig zur Deckung operativer Kosten. Es kam weder zu einer Beteiligung des Klägers an der AG, noch zu einer Anstellung als Vorstand. Da die vom Kläger vorgenommenen Pfändungen betreffend seiner Forderung von 75.000 EUR zu keinen Ergebnissen führten, machte er den Verlust von 75.000 EUR in seiner Einkommensteuererklärung geltend. Das Finanzamt (FA) wies den Verlust der privaten Vermögensebene zu, sodass es zu keiner Berücksichtigung des Verlustes des Klägers kam.

Das Finanzgericht Köln (FG) entschied, dass der vom Kläger gezahlte Betrag von 75.000 EUR als vergebliche vorweggenommene Werbungskosten bei der Ermittlung der Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit zu berücksichtigen ist (§ 9 Abs. 1 Satz 1 und 2, § 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG). In seiner Begründung führte das FG aus, die Zahlung des Betrages von 75.000 EUR stand im engeren Veranlassungszusammenhang mit der angestrebten Anstellung als Vorstand in der noch zu gründenden AG. Dies steht auch nicht der geplanten aber nicht verwirklichten Beteiligung von lediglich 10 % entgegen. Nach Auffassung des FG ging es dem Kläger im Wesentlichen darum, eine adäquate nichtselbstständige Arbeit zu finden und ein regelmäßiges Gehalt zu generieren.

Das Urteil ist beim BFH unter dem Aktenzeichen VI R 1/16 anhängig.    

Fundstelle
FG Köln, Urteil vom 21.10.2015 14 K 2767/12

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