Besuche von Vernissagen durch Lehrerin für Bildende Kunst

Einkommensteuer

Die Aufwendungen einer Oberstudienrätin für die Besuche von Kunstausstellungen und Vernissagen im Rahmen ihrer Tätigkeit als Lehrerin für Bildende Kunst können nicht als Werbungskosten berücksichtigen werden. Zu diesem Ergebnis kommt das Finanzgericht Baden-Württemberg in einem aktuellen Urteil.

Das Finanzgericht Baden-Württemberg hat in einem aktuellen Urteil entschieden, dass die Aufwendungen einer Oberstudienrätin für die Besuche von Kunstausstellungen und Vernissagen im Rahmen ihrer Tätigkeit als Lehrerin für Bildende Kunst nicht als Werbungskosten berücksichtigt werden können.

Grundsätzlich dürfen Aufwendungen, die für den Haushalt eines Steuerpflichtigen sowie für den Unterhalt seiner Familienangehörigen anfallen, nicht als Werbungskosten steuerlich geltend gemacht werden (§ 12 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 EStG). Zu diesen Aufwendungen zählen auch die Kosten der privaten Lebensführung, selbst wenn sie zur Förderung des Berufs oder der Tätigkeit des Steuerpflichtigen erfolgen.

Im Streitfall unterrichtet eine Oberstudienrätin am Gymnasium das Fach Bildende Kunst. Ferner ist sie als freiberufliche Kunstmalerin tätig. Aus dieser Tätigkeit erwirtschaftet sie bislang ausschließlich Verluste, die mangels Einkünfteerzielungsabsicht steuerlich nicht anerkannt wurden (Liebhaberei). In den Streitjahren besucht sie diverse Kunstausstellungen und Vernissagen, bei denen verschiedene Künstler ihre Werke präsentieren und neue Entwicklungen und Techniken auf dem Feld der Kunst darstellten. Die Veranstaltungen waren für die Öffentlichkeit zugänglich und konnten von jedermann besucht werden.

Die Aufwendungen für den Besuch der Veranstaltungen (Beiträge zum Kunstverein, Eintrittsgelder, Fahrtkosten und Parkgebühren) machte sie in ihrer Einkommensteuererklärung zu 50 % als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit geltend. Die Erkenntnisse aus den Ausstellungen ließ die Lehrerin unmittelbar in die Gestaltung ihres Unterrichts einfließen. Außerdem dienten sie der Fortbildung und ihrem beruflichen Weiterkommen.

Das Finanzamt und dem folgend das Finanzgericht waren hier anderer Auffassung und versagten den Werbungskostenabzug.

Als Begründung führten die Richter aus, dass diese Veranstaltungen, ähnlich wie Konzertbesuche oder der Besuch von Theater- und Kinovorstellungen, von einem breiten interessierten Publikum wahrgenommen werden. Ferner sind diese Aufwendungen durch die Vorschriften zur Berücksichtigung des steuerlichen Existenzminimums abgegolten. Eine nahezu ausschließlich berufliche Veranlassung, die eine steuerliche Berücksichtigung ausnahmsweise zulassen würde, liegt hier nicht vor. Selbst eine Aufteilung der Kosten kommt nicht in Betracht, da im Streitfall die jeweils nicht unbedeutenden beruflichen und privaten Veranlassungsbeiträge so ineinander greifen, dass eine Trennung nicht möglich ist. Es mangelt hier an einem objektivierbaren Aufteilungsmaßstab.

Im Streitfall handelt es sich jeweils um einheitliche Veranstaltungen, die insgesamt sowohl aus beruflichem als auch privatem Interesse besucht worden sind. Im Gegensatz zu einer mehrtägigen Reise ist daher insbesondere keine Aufteilung nach privatem und beruflichem Zeitumfang möglich. Eine prozentuale Aufteilung wäre willkürlich.    

Fundstelle
FG Baden-Württemberg, Urteil vom 19.02.2016 13 K 2981/13, Revision nicht zugelassen

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