Berechnung nicht abziehbarer Schuldzinsen

Haas - Steuernachrichten

Bei Ermittlung der Berechnungsgrundlage für nicht abziehbare Schuldzinsen sind außerbilanzielle Sachverhalte nicht zu berücksichtigen.

§ 4 Abs. 4a EStG beschränkt den Abzug betrieblicher Schuldzinsen bei Überentnahmen. Schuldzinsen i. S. d. § 4 Abs. 4a EStG sind alle Aufwendungen zur Erlangung wie Sicherung des Kredits, Nebenkosten der Darlehensbeschaffung sowie Geldbeschaffungskosten. Schuldzinsen für die Finanzierung von Anlagevermögen sind nicht einzubeziehen. Die nicht abziehbaren Schuldzinsen werden typisierend mit 6 % der Überentnahme des Wirtschaftsjahres zuzüglich der Über- und Unterentnahmen vorangegangener Wirtschaftsjahre berechnet. 2.050 EUR Schuldzinsen pro Jahr sind in jedem Fall abziehbar (Freibetrag). Überentnahmen ergeben sich, wenn die Entnahmen den Gewinn und die Einlagen eines Wirtschaftsjahres übersteigen. Doch welcher Gewinn ist hier zugrunde zu legen?

Urteilsfall

Im Urteilsfall erzielte der Steuerpflichtige in 2007 Einkünfte aus Gewerbetrieb und erklärte einen Verlust. Eine zugeflossene Investitionszulage zog er vom bilanziellen Gewinn ab, nicht abziehbare Betriebsausgaben nach § 4 Abs. 5 Satz 1 EStG rechnete er hinzu. Für die Berechnung der nicht abziehbaren Schuldzinsen legte der Steuerpflichtige allerdings den Gewinn mit erfasster Investitionszulage zu Grunde. Es ergaben sich somit keine nicht abziehbaren Schuldzinsen. Das Finanzamt hingegen nahm den steuerlichen Gewinn, also den Gewinn ohne Investitionszulage als Berechnungsgrundlage für die nicht abziehbaren Schuldzinsen. Der BFH entschied jetzt. Hier gilt der allgemeine Gewinnbegriff des § 4 Abs. 1 EStG. Außerbilanzielle Kürzungen und Hinzurechnungen sind somit für die Berechnung der nicht abziehbaren Schuldzinsen nicht zu berücksichtigen. 

Hinweis

In 2018 hat der BFH entschieden, dass der Schuldzinsenabzug nur für den Fall eingeschränkt werden soll, dass der Steuerpflichtige mehr entnimmt als ihm an Eigenkapital zur Verfügung steht. Diese Entscheidung gilt für Bilanzierer. Mangels Eigenkapitalausweises kommt es bei einem Einnahmen-Überschuss-Rechner nur darauf an, ob die Summe der Entnahmen größer ist als der Gewinn und die Einlagen eines Wirtschaftsjahres. Hier ist unter dem Aktenzeichen VIII R 38/18 noch ein Verfahren beim BFH anhängig, bei dem entschieden werden soll, ob bei einem 4/3 Rechner das Eigenkapital keine Rolle spielt.

Fundstelle

BFH v. 03.12.2019, X R 6/18

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