Ausfall eines vom GmbH-Gesellschafter gewährten Darlehens

Haas - Steuernachrichten

Fällt ein vom GmbH-Gesellschafter gewährtes Darlehen aus, können es Verluste nach § 20 EStG sein.

BFH-Urteil
Der BFH hatte mit Urteil vom 24.10.2017, VIII R 13/15, entschieden, dass der endgültige Ausfall einer Kapitalforderung i. S. d. § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG in der privaten Vermögenssphäre nach Einführung der Abgeltungsteuer zu einem steuerlich anzuerkennenden Verlust nach § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 i. V. m. Satz 2 i. V. m. Abs. 4 EStG führt.

In seiner Pressemitteilung vom 20.12.2017 hatte der BFH offen gelassen, inwieweit diese neuen Grundsätze auch für einen Forderungsverzicht oder etwa den Verlust aus der Auflösung einer Kapitalgesellschaft gelten. Er hatte jedoch angedeutet, dass auch in diesem Bereich die mit der Abgeltungsteuer eingeführte Quellenbesteuerung die traditionelle Beurteilung von Verlusten beeinflussen dürfte.

Das FG Münster (soweit ersichtlich als erstes FG überhaupt) hat nach dieser neuen Rechtsprechung des BFH in einem Fall zum Forderungsverlust eines Gesellschafters einer GmbH entschieden.

Sachverhalt
Der mit 33 % an der GmbH beteiligte Gesellschafter hatte am 15.01.2007 seiner GmbH ein Darlehen i. H. v. 245.000 EUR zur Verfügung gestellt. Zum 31.12.2007 wurde hinsichtlich dieses Darlehens ein Rangrücktritt erklärt. Zum 30.09.2011 verzichtete der Gesellschafter gegenüber der GmbH auf das gegebene Darlehen. Die Veräußerung der GmbH-Anteile erfolgte am 23.12.2011. In dem finanzgerichtlichen Verfahren war streitig, ob der Darlehensverlust zu nachträglichen AK auf die Beteiligung gem. § 17 EStG führe oder nicht.

Entscheidung des FG Münster
Gemäß der Entscheidung des Gerichts führt der endgültige Ausfall einer Darlehensforderung eines GmbH-Gesellschafters an die GmbH i. S. d. § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG auf der Vermögensebene zu einem Verlust i. S. d. § 20 Abs. 2 Nr. 7 i. V. m. § 20 Abs. 4 EStG.

Ein Verlustverrechnungsverbot, § 20 Abs. 6 EStG, besteht nicht, § 32d Abs. 2 Nr. 1b EStG.

Praktikerhinweis
Diese Entscheidung ist für die Praxis von enormer Bedeutung, da die steuerliche Auswirkung als Verlust i. S. d. § 20 EStG (100 %) zu einem steuerlich deutlich günstigeren Ergebnis führt, als die Berücksichtigung des Verlusts i. R. d. nachträglichen AK i. R. d. § 17 EStG (60 %).

Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Finanzverwaltung Revision einlegen wird, sodass der BFH Gelegenheit haben wird, sich hierzu endgültig zu äußern.

Fundstelle
Urteil des FG Münster, 12.03.2018, 2 K 3127/15 E, Revision zugelassen, BeckRS 2018 6860

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