Aufwendungen für ein Erststudium sind keine Werbungskosten

Haas - Steuernachrichten

Ein immer wieder aufkommendes Thema wurde jetzt erneut vom BFH entschieden: Aufwendungen für ein Erststudium sind keine Werbungskosten.

Die Kosten für ein Erststudium sind grundsätzlich nur als Sonderausgaben abziehbar. Die Kosten für ein Zweitstudium hingegen sind als Werbungskosten abziehbar und können somit zu Verlustvorträgen führen, die in späteren Jahren verrechnet werden können.

Im Urteilsfall machte Thea Tralisch (T) in 2003 Abitur, studierte von 2003-2006 Psychologie an der Universität A und schloss das Studium erfolgreich mit einem Bachelor ab. Im Oktober 2006 nahm T ein Masterstudium der Neuro- und Verhaltenswissenschaften an der Universität auf. T erzielte im Streitjahr 2006 Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit von 823 EUR und zog davon Werbungskosten für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte von 165 EUR ab. Daneben machte T sowohl die Kosten für das Bachelorstudium (16.104 EUR) als auch für das Masterstudium (1.224 EUR) als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Tätigkeit geltend und beantragte die Feststellung eines Verlustvortrags bei der Einkommensteuer.

Das Finanzamt gewährte Werbungskosten i. H. d. Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte und für das Masterstudium. Im Übrigen lehnte es den Abzug der Kosten von 16.104 EUR für das Bachelorstudium als Werbungskosten unter Hinweis auf § 9 Abs. 6 EStG ab, da es sich insoweit um ein Erststudium und damit um privat veranlasste Ausbildungskosten handele. Das Finanzgericht Düsseldorf gewährte den vollen Werbungskostenabzug (auch für die Kosten des Bachelorstudiums) unter einem Hinweis auf das Urteil des BFH vom 28.07.2011.

Der BFH schloss sich der Auffassung des Finanzamtes an. Das Bachelorstudium von T stellte eine Erstausbildung i. S. v. § 9 Abs. 6 EStG dar, da sie zuvor kein Studium abgeschlossen hatte. Das Bachelorstudium fand auch nicht im Rahmen eines Dienstverhältnisses statt. Mit dem Bachelor wurde die Erstausbildung abgeschlossen. Es handelte sich dem Grunde nach um Kosten der privaten Lebensführung, sodass ein Werbungskostenabzug der 16.104 EUR ausschied. Das Masterstudium stellte folglich eine Zweitausbildung dar, deren Aufwendungen von 1.224 EUR zu Recht zu vorweggenommenen Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit führten.

Fundstelle

BFH-Urteil, 12.02.2020, DStR 2020, 1609

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