Arbeitszeugnisse und Digitalisierung

Haas - Steuernachrichten

Auch für die Erstellung von Arbeitszeugnissen gelten (noch) besondere Formalien. Bitte beachten.

1. Einleitung

Manche Arbeitgeber neigen im digitalen Zeitalter dazu, Arbeitszeugnisse in elektronischer Form zu erstellen. Dies entspricht nicht dem Gesetz!

Nach § 109 GewO hat der Arbeitnehmer bei Beendigung der Arbeitsverhältnisse den Anspruch auf ein einfaches oder qualifiziertes Arbeitszeugnis. Die Urkunde ist vom Aussteller eigenhändig durch Namensunterschrift oder mittels notariell beglaubigtem Handzeichen zu unterschreiben (§ 126 BGB).

Dies gilt sowohl für End- als auch Zwischenzeugnisse. Auch das Ausbildungszeugnis (§ 16 BBiG), ebenso Zeugnisse für Praktikanten und Volontaire folgen diesen formellen Anforderungen.

2. Digitalisierung/Multiple-Choice-Zeugnisse

Dürfen Arbeitszeugnisse statt im Fließtext in einer tabellarischen Form, vergleichbar eines Multiple-Choice-Zeugnisses abgefasst werden?

a) In der Literatur wird das Verwenden eines in Spaltenform ausgefüllten, mit Ankreuzsystem versehenen Spaltenbogens, zum Teil akzeptiert.

b) Die Verfasser des Literaturbeitrages in der Zeitschrift DB 2018 S. 1986 verneinen die Anerkennung solcher "Ankreuzzeugnisse". Danach genügt ein bloßer Beurteilungsbogen nicht den Anforderungen an ein formales Arbeitszeugnis.

c) Zukünftig ist jedoch nicht auszuschließen, dass sich die Anerkennung von sog. Multiple-Choice-Zeugnissen auch bei den Gerichten als akzeptabel durchsetzen wird.

Gut zu wissen
Zurzeit sollte man bei einer Zeugniserstellung im Fließtext arbeiten, was natürlich nicht ausschließt, dass verschiedene Teile in tabellarischer Form dargestellt werden können. Ein ordentlicher Briefkopf und eine eigenhändige Unterschrift sind selbstverständlich.

Fundstelle
Anforderungen an Arbeitszeugnisse, 17.08.2018, Dr. David Plitt/Viktoria Brand, DB 2018 S. 1986

zur Übersicht