Arbeitswege von einer Stunde in Ballungszentren ohne weiteres zumutbar!

Einkommensteuer

Aufwendungen für eine doppelte Haushaltsführung sind nicht zu berücksichtigen, wenn der Steuerpflichtige seinen Arbeitsplatz vom Haupthausstand aus innerhalb einer Stunde erreichen kann. Zu diesem Ergebnis kommt das FG Hamburg.

Sachverhalt
Die Klägerin wohnt und arbeitet seit mehreren Jahren in Hamburg. Im Streitjahr macht Sie erstmals Aufwendungen für eine doppelte Haushaltsführung (i.S.d. § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 EStG) geltend.

Sie lebt mit ihrem Lebensgefährten in dessen Haus in einer Umlandgemeinde/Hamburger Umland. Aufgrund der ungünstigen Verkehrsanbindung hat die Klägerin ihre Wohnung in Hamburg beibehalten und nutzt diese als Schlafstätte an durchschnittlich 3 Nächten pro Woche. 

Das Finanzamt erkennt lediglich die geltend gemachten Kosten für Heimfahrten an. Die Anerkennung der Aufwendungen für Miete und Nebenkosten hat das Finanzamt versagt. 

Entscheidungen
Eine beruflich begründete doppelte Haushaltsführung setzt voraus, dass der Steuerpflichtige 

  1. seinen Lebensmittelpunkt in einem eigenen Hausstand - außerhalb des Beschäftigungsortes - hat und 
  2. eine Wohnung aus beruflichen Gründen am Beschäftigungsort unterhält, um von dort aus seinen Arbeitsplatz zu erreichen. 

Das FG Hamburg führt aus, dass unter Beschäftigungsort i.S.d. § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 EStG nicht nur die politische Gemeinde (hier Hamburg) zu verstehen sei, sondern auch der Einzugsbereich dieser Gemeinde. 

Im vorliegenden Fall hat das FG Hamburg entschieden, dass insbesondere in einer Großstadt, in der die Wohnstätten der Steuerpflichtigen immer weiter in die Randbereiche und über die politische Grenze einer Gemeinde hinaus (sog. Speckgürtel) verdrängt werden, Fahrtzeiten von etwa einer Stunde üblich und ohne weiteres zumutbar sind. 

Vor diesem Hintergrund stellt das FG Hamburg fest, dass das Haus des Lebensgefährten nicht außerhalb des Beschäftigungsortes der Klägerin liegt. Die Fahrtzeit zwischen Haupthausstand und Arbeitsplatz betrage - selbst wenn öffentliche Verkehrsmittel benutzt werden - regelmäßig nicht mehr als eine Stunde. 

Hinweis
Das FG Hamburg hat die Klage zudem auch wegen verbliebener Zweifel zurückgewiesen, ob die Klägerin im Haus ihres Lebensgefährten tatsächlich einen eigenen Hausstand unterhalten hatte. Nicht ausreichend sei es, in einen fremden Haushalt nur eingegliedert zu sein, ohne die Haushaltsführung verantwortlich mitzubestimmen. 

Verbleibende Zweifel gingen zu Lasten der Klägerin, da sie hinsichtlich der steuermindernden Umstände, hier das Vorliegen einer doppelten Haushaltsführung, die Feststellungslast trage. 

Fundstelle
FG Hamburg, Urteil vom 17.12.2014 2 K 113/14

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