Anteilsvereinigung und Erbauseinandersetzung

Haas - Steuernachrichten

Treffen Anteilsvereinigung bei Grundstücks-GmbHs und Erbfall aufeinander, ist für die Grunderwerbsteuer Vorsicht geboten.

Haben sich Anteile bei einer (z. B.) Grundstücks-GmbH vereinigt i. S. v. § 1 Abs. 3 GrEStG, steht das Grundstück grunderwerbsteuerlich dem Gesellschafter zu. Was passiert nun, wenn diese Anteile vererbt werden?

Beispiel
Mutter (M) ist Alleingesellschafterin der Grundstücks-GmbH und verstirbt. Erben der Anteile (und weiterer Vermögensgegenstände) sind Sohn (S) und Tochter (T) zu je 1/2. I. R. d. Erbauseinandersetzung erhält T sämtliche Anteile an der Grundstücks-GmbH.

Lösung
Durch die vereinigten Anteile bei M ist grunderwerbsteuerlich das Grundstück der M zuzurechnen.

Der Erbfall führt zu einer Übertragung der Anteile auf die Erbengemeinschaft. Quasi überträgt M das Grundstück auf die Erbengemeinschaft. Hierin liegt ein grunderwerbsteuerbarer Vorgang vor, der aber nach § 3 Nr. 2 GrEStG von der GrESt befreit ist (vgl. BFH a. a. O.). Die Vereinigung aller Anteile bei T i. R. d. Erbauseinandersetzung ist ein selbstständiger Vorgang, der nach § 1 Abs. 3 Nr. 3 GrEStG steuerbar ist (Erbengemeinschaft überträgt 100 % der Anteile auf T).

Dieser Vorgang ist steuerfrei nach § 3 Nr. 3 GrEStG.

Résumé
Werden bereits vereinigte Anteile (vgl. § 1 Abs. 3 GrEStG) durch Erbfall übertragen, wird dies wie die unmittelbare Übertragung der Grundstücke gewertet, BFH-Urteil vom 02.04.2008, II R 53/06, BStBl 2009 II S. 544. Die Erbauseinandersetzung bereits vereinigter Anteile führt somit grundsätzlich nicht zu einer GrESt-Belastung (vgl. auch OFD Niedersachsen vom 19.10.2016, DB 2016 S. 2575). 

Fundstelle
BFH-Urteil vom 12.02.2014, II R 46/12, BStBl 2014 II S. 536
Dr. Karl Broemel/Dr. Carsten Lange, 23.03.2018, DB 2018 S. 666 

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