Adoptionskosten als außergewöhnliche Belastungen?

Einkommensteuer

Abzugsmöglichkeiten bei Sterilität.

Entstehen einem Steuerpflichtigen zwangsläufig höhere Aufwendungen als der Mehrheit der anderen Steuerpflichtigen und kann er sich diesen Kosten aus rechtlichen, sittlichen oder tatsächlichen Gründen nicht entziehen, können sie als außergewöhnliche Belastungen steuermindernd berücksichtigt werden. Dies gilt, soweit die Aufwendungen den Umständen nach notwendig sind und einen angemessenen Betrag nicht übersteigen.

Krankheitskosten sind aus tatsächlichen Gründen als zwangsläufig anzusehen. Daher werden Aufwendungen für die Heilung von Krankheiten oder Maßnahmen, diese erträglicher werden zu lassen, als außergewöhnliche Belastungen berücksichtigt.

Im Falle der organisch bedingten Sterilität eines Steuerpflichtigen, liegt nach Ansicht des BFH eine Krankheit vor. Ein ärztlicher Eingriff in Form einer künstlichen Befruchtung ist als medizinische Maßnahme anzusehen und damit als außergewöhnliche Belastung in Höhe des die zumutbare Eigenbelastung übersteigenden Betrags abzugsfähig.

Anders bei den Kosten für eine Adoption im Fall organisch bedingter Sterilität: Hier liegt keine Heilbehandlung vor. Die Adoption dient dem Wohl des Kindes. Sie ist in erster Linie ein Mittel der Fürsorge für elternlose und verlassene Kinder, um in einer Familie aufwachsen zu können. Die im Zusammenhang mit der Adoption entstehenden Kosten sind auch nicht aus anderen Gründen zwangsläufig. Denn der Entschluss zur Adoption beruht nicht auf einer Zwangslage, sondern auf der freiwilligen Entscheidung, ein Kind anzunehmen.

Damit scheidet ein Ansatz von Adoptionskosten als außergewöhnliche Belastungen aus. Insofern bestätigt der BFH seine bisherige Rechtsprechung. 

Fundstelle
BFH-Urteil vom 10.03.2015 VI R 60/11, veröffentlicht am 08.07.2015

zur Übersicht