Abzug betrieblich genutzter Räume, die kein Arbeitszimmer sind

Einkommensteuer

Kosten für betrieblich genutzte Räume in der Wohnung des Steuerpflichtigen, die kein häusliches Arbeitszimmer sind, können in voller Höhe als Betriebsausgaben geltend gemacht werden. Voraussetzung ist, dass keine nicht nur unerhebliche private (Mit-)Benutzung vorliegt.

Bei einem steuerlich anerkannten häuslichen Arbeitszimmer können die Aufwendungen entweder beschränkt auf 1.250 EUR oder vollständig als Betriebsausgaben in Ansatz gebracht werden. Aufwendungen für betrieblich genutzte Räume hingegen unterliegen der Höhe nach keinen Einschränkungen, sofern sie die Voraussetzungen für den Betriebsausgabenabzug erfüllen.

Im Streitfall wurde der Abzug von Aufwendungen des Steuerpflichtigen für den größten Raum der Wohnung mit 37 qm begehrt. Ein langer Konferenztisch, ein Kamin mit umlaufender Bank sowie ein direkter Zugang zum Balkon bildeten dessen zentralen Ausstattungsmerkmale. Nach Ansicht des FG München wurde der Raum in nicht unerheblichem Umfang auch privat genutzt. Aus diesem Grunde wurde der Betriebsausgabenabzug auch vom BFH versagt.

Der BFH lässt den Betriebsausgabenabzug für Räume in der privaten Wohnung des Steuerpflichtigen grundsätzlich zu, solange der Raum nahezu ausschließlich betrieblich, bzw. beruflich genutzt wird, selbst wenn es sich nicht um ein häusliches Arbeitszimmer i.S.d. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 1 EStG handelt. Entscheidend sind die Ausstattung des Raums sowie dessen Zugänglichkeit durch dritte Personen. Hierunter fallen beispielsweise die Notfallpraxis eines Arztes oder ein Tonstudio.

Hinweis
Keinesfalls sollte für das Arbeitszimmer oder betrieblich genutzte Räumlichkeiten der größte oder repräsentativste Raum der Wohnung gewählt werden.    

Fundstelle
BFH-Urteil vom 22.03.2016 VIII R 10/12, veröffentlicht am 14.09.2016

zur Übersicht