Abbruchkosten sofort abziehbarer Aufwand oder Herstellungskosten?

Einkommensteuer

Besteht bei Erwerb eines Grundstücks die Absicht, das aufstehende noch nicht verbrauchte Gebäude abzureißen und ein neues Gebäude zu errichten, sind sowohl der Restbuchwert des alten Gebäudes als auch die Abbruchkosten Herstellungskosten des neuen Gebäudes.

Herstellungskosten sind gem. § 255 Abs. 2 HGB die Aufwendungen, die durch den Verbrauch von Gütern und die Inanspruchnahme von Dienstleistungen für die Herstellung eines Vermögensgegenstands, seine Erweiterung oder für eine über seinen ursprünglichen Zustand hinausgehende wesentliche Verbesserung entstehen. Die handelsrechtlichen Bestimmungen sind für das Steuerrecht maßgeblich.

Wird von einem Steuerpflichtigen ein objektiv technisch oder wirtschaftlich noch nicht verbrauchtes Gebäude mit der Absicht erworben, dieses abzureißen, um ein neues Gebäude zu errichten, ist für den Neubau des Gebäudes der Abbruch des alten Gebäudes Voraussetzung. Deshalb ist ein enger wirtschaftlicher Zusammenhang zwischen dem Abbruch des alten Gebäudes und der Herstellung des neuen Gebäudes gegeben. Der Abbruch gilt als Beginn der Herstellung. Die Abbruchkosten und der Restbuchwert stellen Herstellungskosten des neuen Gebäudes dar. Ein Abzug als Betriebsausgaben/Werbungskosten ist nicht möglich.

Im Streitfall ging es um eine GmbH & Co. KG (Klägerin), die eigenen Grundbesitz verwaltet. Eine Kommanditistin brachte Ende 2008 diverse Grundstücke aus ihrem Sonderbetriebsvermögen zum Buchwert in die GmbH & Co. KG ein.  Die Kommanditeinlage wurde um den Buchwert des Grundbesitzes erhöht. In den Jahren 2009 und 2010 wurden die eingebrachten Gebäude abgerissen und darauf neue Einkaufsmärkte errichtet. Die Klägerin begehrte den Abzug des Restbuchwertes als Absetzung für außergewöhnliche technische Abnutzung (AfaA) und die Abbruchkosten als sofort abziehbare Betriebsausgaben. Die Einbringung des Grundbesitzes stellt einen entgeltlichen (tauschähnlichen) Vorgang dar. Bei summarischer Prüfung war der Abbruch der Gebäude bereits bei Erwerb beabsichtigt. Die Abbruchkosten als auch die Restbuchwerte der abgerissenen Gebäude stellen Herstellungskosten der Einkaufsmärkte dar. Es besteht ein enger wirtschaftlicher Zusammenhang zwischen dem Abbruch und der Herstellung.

Diese Rechtsgrundsätze gelten auch bei einer als anschaffungsähnlicher Vorgang anzusehenden Einlage eines bebauten Grundstücks in das Betriebsvermögen oder bei einem unentgeltlichen Erwerb mit Abbruchabsicht. Wird ein Gebäude innerhalb von 3 Jahren nach Anschaffung abgerissen, spricht der Beweis des ersten Anscheins für einen Erwerb mit Abbruchabsicht. 

Fundstelle
FG Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2016 10 K 2708/15 F

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