7 % für Hochzeits- und Trauerredner

Umsatzsteuer

Honorare von Hochzeits- oder Trauerrednern unterliegen nach dem BFH-Urteil vom 03.12.2015 dem Umsatzsteuersatz von 7 %, wenn die Vorträge eine bestimmte "schöpferische Gestaltungshöhe" erreichen. In diesen Fällen, so die Begründung des BFH, ist die Steuerermäßigung für ausübende Künstler gem. § 12 Abs. 2 Nr. 7a UStG anzuwenden. Unerheblich ist, dass der Künstler sein Honorar vom Veranstalter der Feier erhält und dass die Gäste der Veranstaltung keinen Eintritt zahlen müssen.

So schön das Urteil für die betroffenen Steuerpflichtigen auch ist, die Durchsetzung in der Praxis dürfte spannend werden:

Stellen Sie sich den ambitionierten Hochzeits- und Festredner Hugo Hundertwasser vor, der von sich und seinem Talent schon immer überzeugt war. Auf der anderen Seite denken Sie bitte an Karl Schmidt, einen diensteifrigen Finanzbeamten wie er im Buche steht. Kunst kennt Schmidt nur aus der Schule und schon da war ihm Mathematik viel lieber. Viel Spaß, wenn diese beiden sich über die künstlerischen Qualitäten von Hugo streiten!

Die Kriterien des BFH, dass eine schöpferische Gestaltungshöhe insbesondere dann erreicht wird, wenn die Reden durch eine eigenschöpferische Leistung des Künstlers geprägt sind und nicht nur aus der Wiederholung eines schablonenhaften Redegerüsts bestehen, dürfte wenig hilfreich sein.

Im Urteilsfall hat der BFH über die künstlerische Qualität auch nicht selbst entschieden, sondern die Frage zur Klärung an das Finanzgericht als Tatsacheninstanz zurückverwiesen. Eine Argumentationshilfe hat der BFH allerdings der Finanzverwaltung mit dem Hinweis gegeben, dass Steuerermäßigungen Ausnahmeregelungen darstellen und daher grundsätzlich eng auszulegen sind.

Zusammenfassung
Die Leistungen von Hochzeits-, Fest- und Trauerrednern können gem. § 12 Abs. 2 Nr. 7a UStG dem ermäßigten Steuersatz unterliegen, wenn sie als Tätigkeit eines ausübenden Künstlers zu beurteilen sind. Erforderlich hierfür ist, dass sie eine schöpferische Gestaltungshöhe erreichen, die durch eine eigenschöpferische Leistung des Künstlers geprägt ist.

Fundstelle
BFH-Urteil vom 03.12.2015 V R 61/14

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