1 %-Regelung bei Gebrauchtwagen auf dem Prüfstand!

Die 1 %-Regelung gilt nach Auffassung der Finanzverwaltung auch für gebrauchte Fahrzeuge. Obwohl oftmals nur noch geringe Gesamtkosten für den Gebrauchten anfallen, wird der private Nutzungsanteil auf Basis des Bruttolistenpreises ermittelt und somit der Neuwert des Fahrzeugs zugrunde gelegt. Diese Vorgehensweise stößt bei Mandanten regelmäßig auf Unverständnis und Verärgerung. Abhilfe könnte jetzt ein beim BFH anhängig gewordenes Revisionsverfahren schaffen.

Im Streitfall hatte ein Steuerpflichtiger für einen privat und betrieblich genutzten Gebrauchtwagen kein Fahrtenbuch geführt. Unstreitig war allerdings, dass das Fahrzeug zu mehr als 50 % betrieblich genutzt wurde. Entsprechend dieses Nutzungsanteils hatte der Steuerpflichtige auch die auf den privaten Nutzungsanteil entfallenden Kosten nur mit 50 % angesetzt. Das Finanzamt hingegen ermittelte den privaten Nutzungsanteil anhand der 1 %-Methode und kam zu einem deutlich höheren Entnahmewert. Unterm Strich blieben die unstreitig für betriebliche Fahrten angefallenen Pkw-Kosten dadurch steuerlich weitgehend unberücksichtigt. Im Klageverfahren beantragte der Steuerpflichtige - leider ohne Erfolg - einen Ansatz des privaten Nutzungsanteils unter Berücksichtigung einer Kostendeckelung auf max. 50 % der insgesamt angefallenen Kosten.

Obwohl das FG München die Revision nicht zugelassen hatte, war die Nichtzulassungsbeschwerde des Klägers erfolgreich. Die Frage, ob und wie die 1 %-Methode bei Gebrauchtfahrzeugen anzuwenden ist, wird daher der BFH entscheiden.

Zusammenfassung
In einem Revisionsverfahren wird der BFH zur Anwendung der 1 %-Methode bei Gebrauchtwagen entscheiden. Für betroffene Steuerpflichtige besteht damit zumindest etwas Hoffnung auf eine zukünftig günstigere Besteuerung der privaten Pkw-Nutzung. Berater sollten in vergleichbaren Fällen Einspruch einlegen und unter Hinweis auf die ausstehende Entscheidung des BFH die Verfahrensruhe nach § 363 Abs. 2 AO beantragen.

Fundstelle
BFH X R 28/15
FG München, Urteil vom 09.12.2014 6 K 2338/11

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