Blogger, Influencer, YouTuber & Co. – umsatzsteuerliche Aspekte des Social-Media-Bereichs

Haas - Steuernachrichten

Beachten Ihre "Social Media"-Unternehmer alle umsatzsteuerlichen Themen?

Blogger, Influencer und Youtuber können Unternehmer i. S. d. § 2 UStG sein. Danach ist Unternehmer, wer eine gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbstständig ausübt. Darunter fällt jede nachhaltige Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen, auch wenn die Absicht Gewinn zu erzielen fehlt.

Nachhaltigkeit

Nachhaltig wird eine Tätigkeit ausgeübt, wenn sie auf Dauer zur Erzielung von Entgelten angelegt ist. Dies ist nach dem Gesamtbild der Verhältnisse im Einzelfall zu beurteilen. Insbesondere in Betracht kommen hier die Planmäßigkeit des Handelns, die Wiederholungsabsicht, die Beteiligung am Markt, die Intensität des Tätigwerdens, sowie das Auftreten nach außen.

Einnahmeerzielungsabsicht

Die Tätigkeit dient zur Erzielung von Einnahmen, wenn Sie i. R. e. Leistungsaustausches erbracht wird. Hierbei müssen Lieferungen oder sonstige Leistungen gegen Entgelt vorliegen. Eine Gewinnerzielungsabsicht ist nicht erforderlich.

Diese Voraussetzungen sind bei Influencern (etc.) erfüllt, sodass sie als Unternehmer anzusehen sind.

Kleinunternehmerregelung

Gerade in der Anfangsphase von Influencern (etc.) kann die Kleinunternehmerregelung eine erhebliche Entlastung sein. Gem. § 19 Abs. 1 UStG wird die USt nicht erhoben, wenn der Bruttoumsatz im vorangegangenen Kalenderjahr 17.500 EUR nicht überstiegen hat und im laufenden Jahr 50.000 EUR voraussichtlich nicht übersteigen wird.

Bei Neuaufnahme einer Tätigkeit im Laufe des Jahres ist lediglich darauf abzustellen, ob die voraussichtlichen Umsätze im laufenden Jahr den Betrag von 17.500 EUR übersteigen.

Die Grenze kann schnell überschritten werden, wenn der Influencer (etc.) die Ware behalten darf.

Regelbesteuernder Unternehmer

Wird ein Influencer (etc.) für ein Unternehmen tätig, so stellt das Posten von Bildern sonstige Leistungen nach § 3 Abs. 9 UStG dar. Damit bestimmt sich der Ort der Leistungen regelmäßig nach § 3a Abs. 2 UStG am Empfängersitz. Befindet sich dieser im Inland, ist die Leistung steuerbar und steuerpflichtig.

Bezieht der Influencer (etc.) Eingangsleistungen für sein Unternehmen, so steht ihm unter den Voraussetzungen des § 15 Abs. 1 Nr. 1 UStG ein VorSt-Abzug zu.

Beispiel

Ein Influencer (Unternehmenssitz: Düsseldorf) postet auf Instagram Fotos von Sonnenbrillen und erhält vom Hersteller (Sitz: Berlin) ein Entgelt von 595 EUR inkl. 19 % USt.

Es wird eine sonstige Leistung erbracht. Ort der Leistung ist der Empfängersitz in Berlin. Die Leistung ist im Inland steuerbar und steuerpflichtig. Die Bemessungsgrundlage beträgt 500 EUR. Der Influencer schuldet die Steuer i. H. v. 95 EUR.

Tauschähnlicher Umsatz

Erhält ein Influencer (etc.) die präsentierte Ware als Entgelt, so liegt ein tauschähnlicher Umsatz nach § 3 Abs. 12 Satz 2 UStG vor.

Die Bemessungsgrundlage bestimmt sich nach § 10 Abs. 2 Sätze 2 und 3 UStG.

Beispiel

Die Influencerin darf eine Kette behalten, die sie zuvor in mehreren Videos präsentiert hat. Der Verkehrswert (gemeiner Wert) beträgt 1.190 EUR inkl. 19 % USt.

Damit beträgt das Entgelt ihrer Leistung 1.000 EUR (1.190 EUR abzgl. 190 EUR USt).

Werbeeinnahmen

Durch die Schaltung von Werbung als Inserts in den Videos erzielen YouTuber Werbeeinnahmen, da eine sonstige Leistung erbracht wird. Ort der Leistung ist nach § 3a Abs. 2 UStG der Empfängersitz. Im Fall von YouTube ist genau zu prüfen durch welche Tochtergesellschaft die Gutschrift erfolgt und wo diese ihren Sitz hat. Liegt der Ort im Drittlandsgebiet (z. B. USA), so wird eine sonstige Leistung erbracht, welche im Inland nicht steuerbar ist. Allerdings ist zusätzlich zu prüfen, ob die Leistung eine Steuerpflicht im anderen Staat auslöst und ob ggf. eine unserem § 13b UStG entsprechende Vorschrift in den USA Anwendung findet.

Querverweis

Ertragsteuerlich sind die folgenden Grundsätze zu beachten:

Blogger, Influencer und YouTuber können Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit i. S. d. § 18 EStG erzielen, z. B. als Verfasser eigener Blogs oder eBooks oder als Künstler bei der Veröffentlichung von Videos.

Liegen weitere Einkünfte vor, besteht jedoch die Gefahr, dass die Einkünfte aus selbstständiger Arbeit in gewerbliche Einkünfte gem. § 15 Abs. 2 EStG umzuqualifizieren sind. Dies ist dann der Fall, wenn beispielsweise die Einnahmen aus den Verlinkungen als Affiliate oder durch Werbeeinnahmen die Bagatellgrenze überschreiten.

Eine Trennung der Einkünfte dürfte regelmäßig nicht möglich sein, da ein sachlicher und wirtschaftlicher Zusammenhang zwischen der gewerblichen und der freiberuflichen Tätigkeit besteht (vgl. BFH-Urteil vom 11.07.1991, IV R 33/90).

Ist ein Steuerpflichtiger künstlerisch oder schriftstellerisch tätig, erzielt er Einkünfte aus selbstständiger Arbeit. Überwiegt die

Tätigkeit als Modell, liegen Einkünfte aus Gewerbebetrieb vor.

Fundstelle
NWB-Artikel, 25.06.2018, NWB Dok. ID AAAAG - 86291

zur Übersicht